Geschichte der Familie P.

die Zweite


... und nun bin ich wieder auf der Suche. Lang waren die Wochen, ernüchternd die Zeitschrifteninserate, kein Duett wohin ich auch schaute. Selbst die schwedischen Zeitschriften, die meine Eltern seitdem abonniert haben liefern kein Ergebnis. Ich hatte eigentlich schon keine Lust mehr, als mich Jochen Bürkel anrief, um mir von einem Duett berichtet, der in der Oldtimer Markt stehen soll. Doch ein Auto, das 95% fertig ist? Nur weil wir, mein Vater und ich nichts besseres zu tun hatten, setzten wir uns ins Auto und sind hingefahren. An dem Auto wahren die Blecharbeiten so wie beschrieben gemacht, sicherlich nicht von einem Meister aber was soll's. Was mich etwas schockiert hat war, das an dem Auto Kunststoffkotflügel montiert waren, die auch noch über einen Spoiler fest miteinander verbunden sind. Die Sitze stammten von einem Mitzubischi. Ich dachte immer, die arbeiten erst seit ein paar Jahren zusammen?!? Und dann der Motor! Mit einem Fremdstartkabel konnten wir ihn den dann auch zum Leben erwecken, oder was das dann auch für ein Zustand war, in dem sich der, sagen wir mal drehende Motor befand. Ehrlich, ich hab noch nie so viele scheußliche Geräusche gehört! An dem Motor rasselte, klapperte und quietschte einfach alles was dran war! Wir konnten einfach nicht feststellen, was an dem Motor alles kaputt war, wahrscheinlich alles. Glücklicherweise hatte der Verkäufer nicht das Bedürfnis, die Mängel des Autos auf den Preis drauf zu schlagen. Das Auto war zwar nicht in dem Zustand, wie ich es mir vorgestellt hatte kaufen zu wollen. Doch ob ich einen Motor, der ein bißchen kaputt ist, neu aufbaue oder einen der völlig breit ist, war dann auch irgendwie egal. Zumal ich in der Nachbarschaft eine Halle (400m2), die Abgerissen werden sollte, für ganz wenig Geld mieten konnte. Also habe den Motor zerlegt und das befürchtete festgestellt, der Motor ist vollkommen breit! Alle Lager verschlissen, die Laufflächen der Nockenwelle ist bis auf die Kupferschicht abgelaufen und und und. Die Ölsteigleitung zur Kipphebelwelle hoch, habe ich nicht einmal mehr finden können! Erst nachdem ich mit einem Draht danach rumgestochert habe entdeckte ich sie und habe sie aufbohren müssen, weil ich den Dreck nur mit stochern nicht herausbekommen habe. Also der Block mußte neu gehont werden und mit Kolben der ersten übergroße ausgestattet werden. Die Kurbelwelle wurde geschliffen, im Kopf wurden die Ventilsitze neu gefräst, die Ventile hat mein Vater überarbeitet und eingeschliffen. Und weil der Motor gerade auseinander gebaut war, auf Simmerringe umgebaut. Da die Kurbelwelle nach dem Schleifen 1/100 untermaß hatte wurden die Lagerschalen mit 1/100 Blechen unterfüttert und so das Lagerspiel eingestellt. Das Lagerspiel haben wir mit so einer Art Knetgummi gemessen, das vor dem Zusammenbau in die Lagerschale gelegt wird und sich dann beim Zusammenbau je nach Lagerspiel breitgedrückt wird. Die Breite des „Knetgummis“ ist dann ein Maß für das Lagerspiel und kann mit einer Tabelle bestimmt werden. Die Pleuelstangen hatten eine Massenabweichung von ca. 4g, die ich durch schleifen auf ca. 1g reduziert habe. Außerdem habe ich sie so mit den neuen Kolben gemischt, das sie zusammen eine Differenz von weniger 1g aufweisen.  Die Vergaser, zwei 175CD2 wurden neu gebuchst, Lichtmaschine, Anlasser und Verteilerlager überholt und fertig war der neue Motor. Nun noch eben die Simmerringe des Getriebes gewechselt, zusammengebaut und am Schlüssel gedreht, und – ja, das hört sich schon besser an als das was der Motor vor der Überholung Geräuschmäßig von sich gegeben hat. Währenddessen bekam ich von unserem Interessen-gemeinschaftspspräsidenten Reiner Scholl zwei passende Sitze und vom Bremer TÜV den Paragraph 21c. Das nächste Ziel hieß Vallåkra (Schweden), dort findet jedes Jahr im August ein Volvotreffen statt, wo die Bremer Volvo Interessengemeinschaft hinfährt. Doch zwei Tage vor der Abfahrt, bei der Fahrt zum Stammtischtreffen ging die Lichtmaschine kaputt. Sie mußte natürlich noch repariert werden, denn ohne Lichtmaschine kann man ja schließlich nicht da hoch fahren. Was war passiert? Bei der Überholung war die Isolierung der Erregerwicklung gebrochen, während des Betriebs der letzten Monate hatte sich die Isolierung dann soweit aufgelöst, das sie am Gehäuse einen Kurzschluß verursachte. Die Zuleitung wurde erneuert und seitdem macht die Lichtmaschine genau das was sie soll, nämlich Strom produzieren. Nun wieder einmal zu meinem Bruder, dem ist sein Buckel nämlich mittlerweile zu laut, wenn er mal wieder auf der Autobahn unterwegs ist. Also hat er sich ein Overdrivegetriebe besorgt und zwecks Überholung zerlegt. Da das Overdrivegetriebe nicht in den Kardantunnel paßt, mußte dieser dem Getriebe angepaßt werden. Nun nur noch die Kardanwelle gekürzt, eingebaut und fertig. Zugegeben so einfach wie hier beschrieben ist das nicht, denn einen Kardantunnel macht man nicht mal eben so größer und eine Kardanwelle sollte man auch nicht einfach irgendwie absägen, doch ich will hier auch nicht jeden Handgriff einzeln aufführen. Das Auto ist jetzt jedenfalls erstaunlich leise geworden, da sich ja die Drehzahl, im Vergleich zu vorher, erheblich abgesenkt hat. Ich habe mir dann auch ein Overdrivegetriebe besorgt, das derzeit noch auf die Überholung und den Einbau wartet. Eigentlich wollte ich die Geschichte hier beenden doch da mir in meinen Stehen den Duett jemand hinten reingefahren ist und mein Bruder und ich wieder was zum schrauben hatten. Allein die Vorstellung, das jemand mit einem Auto, Marke XXX GTI, tiefer, breiter, ASR, RDS, MFG und wer weiß nicht, noch alles einem Auto mit vier Trommeln in einem Kreis, hinten ins Auto fährt ist ja schon irgendwie aberwitzig, dennoch ich konnte jedenfalls nicht lachen, zumal Vallåkra wieder vor der Tür stand. Na ja wenigstens fuhren wieder einmal so viele Bremer nach Schweden, das ich noch einen Platz als Beifahrer bekommen konnte, wenigstens war Schweden gesichert. Bei der Reparatur mußte ich feststellen, das die in Deutschland zu bekommenden Blechteile fast mit Gold aufgewogen werden. Ein kleines Beispiel gefällig? Das Reparaturblech für den Duett hinten und zwar das wo die Beleuchtung eingesetzt wird, kostet in Deutschland 100 DM in Schweden kostet das Paar 25 DM leider kann man für die Differenz nicht nach Schweden fahren, leider. Aber auch das hab wir überstanden, mal sehen was sich in der nächsten Zeit ergibt.
 



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